Skip to main content

Mykobakterien - Mycobacterium tuberculosis Komplex

In Deutschland kommt am häufigsten Mycobacterium tuberculosis, selten M. africanum (meist aus Afrika importiert) und M. bovis (Reservoir bei Rindern) vor. Bei immunsupprimierten Patienten kann der Tuberkulose-Impfstamm M. bovis BCG eine Impf-Tuberkulose hervorrufen. In sehr seltenen Fällen Infektionen durch ${M. microti (Vorkommen bei Nagern). Aufgrund ihrer engen genotypischen und phänotypischen Verwandschaft werden M. tuberculosis, M. bovis, M. bovis BCG, M. caprae ,M. africanum, M. microti, M. canettii und M. pinnipedii (Reservoir Seehunde und -löwen) zum Mycobacterium tuberculosis-Komplex zusammengefasst.

Klinik

Lungentuberkulose, extrapulmonale Erkrankungen.

Untersuchungsmaterialien
  •  Sputum oder induziertes Sputum, BAL, Tracheal- und Bronchialsekret
  • Magensaft in Natriumphosphatlösung
  • Urin
  • Liquor
  • Biopsate und Wundsekrete (nativ, nicht in Abstrich-Röhrchen!)

Bei der Lungentuberkulose sollte die Diagnostik aus drei am Morgen von drei unterschiedlichen Tagen gewonnenen Sputumproben erfolgen. Ist dies nicht möglich, so sollte induziertes Sputum gewonnen werden. Als weitere Möglichkeit kommt die dreimalige Untersuchung von gepuffertem Magensaft in Frage. Invasiv gewonnene Untersuchungsmaterialien sind ebenfalls geeignet und haben eine größere Sensitivität, insbesondere die BAL

Zum Nachweis von Mykobakterien aus Blut sind die herkömmlichen Blutkultursysteme nicht geeignet.

Transport und Lagerung

Der Transport muss innerhalb von maximal 24 h bei 4°C erfolgen.

Untersuchungsmengen
  • Sputum, >=2-5 ml
  • Bronchialsekret, >=2-5 ml
  • Magennüchternsekret 2?5 ml, Magenspülwasser 20?30 ml
  • BAL, Pleurapunktat, 20-30 ml
  • Urin (am besten konzentrierter Morgenurin), >= 30 ml
  • Liquor für den kulturellen Ansatz, >=3-5 ml
  • Liquor für die molekularbiologische Untersuchung, >=3 ml
  • Stuhl, etwa 1-2 g (nur bei Patienten mit zellulärem Immundefekt; eine Darmbiopsie ist vorzuziehen)
  • Darmbiopsie, in 1 - 3 Tropfen NaCl-Lösung (dient nur der Befeuchtung, Probe nicht "schwimmen" lassen!)

Diese Mindestmengen müssen unbedingt eingehalten werden. Bei Einsendung von kleineren Mengen schließt ein negativer Befund eine Tuberkulose nicht aus.

Untersuchungsmethoden
  • Mikroskopie der Nativmaterialien
  • Kultur mit Resistenzbestimmung
  • PCR

Die Mikroskopie wird anhand des nach Ziehl-Neelsen gefärbten Direktpräparates beurteilt. Die Menge nachgewiesener säurefester Stäbchen wird semiquantitativ angegeben:

+/-: 1-12 /Präparat
+: 4-10 /100 Gesichtsfelder
++: 10-100 /100 Gesichtsfelder
+++: 1-10 /Gesichtsfeld
++++: > 10 /Gesichtsfeld

Nachweisgrenze der Untersuchungsmethoden

Die Nachweisgrenze der Mikroskopie liegt bei 100.000 Mykobakterien pro ml Sputum bzw. bei 10.000 Mykobakterien bei angereicherten Proben. Dabei ist zu beachten, dass Biopsien und Gewebeproben, Punktate und Liquor im Vergleich zu respiratorischen Sekreten oft nur eine sehr geringe Konzentration an Mykobakterien enhalten, die unterhalb der mikroskopischen Nachweisgrenze liegen kann.

Die Nachweisgrenze der PCR liegt bei 100-1.000 Mykobakterien/ml Sputum und die der Kultur bei 10-100 Mykobakterien/ml Sputum. Die Kultur hat demnach die größte Sensitivität. Bei Vorhandensein von wenig Untersuchungsmaterial sollte daher der Kultur vor der PCR der Vorzug gegeben werden. Bei Entnahme mehrerer Probenmaterialien sollte zur Erhöhung der Sensitivität aus allen Materialien eine Kultur angefordert werden (nicht nur die Mikroskopie!).

Interpretation

Ein positives Ergebnis bei der Mikroskopie oder eine positives Wachstum in Flüssigmedien erlaubt noch keine Artdiagnose. Ein negatives Mikroskopie- oder PCR-Ergebnis schließt eine Tuberkulose nicht aus.

Dauer der Untersuchung

Die Dauer der Untersuchung beträgt je nach der Konzentration der Erreger im Untersuchungsmaterial und nach deren Wachstumsgeschwindigkeit 2-4 Wochen. Ein negativer Befund wird nach 10 Wochen erstellt. Die Dauer der Resistenzbestimmung liegt bei ca. 2 Wochen.

Vorheriger
Nächster