Bei Verdacht auf das Vorliegen einer Belastung durch Umweltnoxen stellt sich die Frage, welche Untersuchungen sinnvoll sind. Da im Allgemeinen typische Leitsymptome fehlen, entscheidet die Expositionsanamnese über die Auswahl der Marker. Aus wirtschaftlichen Gründen kann eine Stufendiagnostik sinnvoll sein.
Wer soll messen?
Umweltmedizinische Analysen sollten nur in Labors durchgeführt werden, die über ausreichende Erfahrungen in Analytik und Befundinterpretation verfügen. Für die optimale Probennahme im Wohnbereich ist die Beratung durch einen kompetenten Fachmann (Umweltingenieur, Umweltmediziner) wünschenswert. Gute schriftliche Anleitungen und eine intensive telefonische Beratung sind aber im Allgemeinen ausreichend für eine qualifizierte Probennahme durch den Laien.
Was soll gemessen werden?
Es können Marker der äußeren und der inneren Belastung, der biochemischen Effekte und der Empfänglichkeit gemessen werden. Ihre Auswahl hängt von der Fragestellung, der Expositions-Anamnese, der Noxe und der verfügbaren Analysentechnik ab. Eine Formaldehydbelastung kann am besten durch eine Raumluftmessung erkannt werden, da der Formaldehydmetabolit Ameisensäure als Marker der inneren Belastung zu unempfindlich und unspezifisch ist. Auch bei Verdacht auf eine Belastung mit Pyrethroiden sollte zunächst eine Hausstaub oder Materialanalyse durchgeführt werden und im positiven Fall die Bestimmung der Pyrethroid-Metaboliten im Harn erfolgen. Dieses Vorgehen ist sinnvoll, weil die Sensitivität des Metaboliten-Nachweises für die Erkennung einer chronischen Pyrethroid-Belastung noch nicht bekannt ist.
Eine Schadstoffbelastung durch Passivrauchen kann wiederum am besten durch die Messung eines Markers der inneren Belastung diagnostiziert werden. Dabei ist der Nicotin-Metabolit Cotinin dem Nicotin wegen der 10fach längeren Elimination Halbwertzeit deutlich überlegen. Häufig ist es sinnvoll, das Untersuchungsprogramm mit dem Umweltlabor abzustimmen. Aus wirtschaftlichen Gründen bietet sich eine Stufendiagnostik oder eine situationsabhängige Analytik an.
Wann soll gemessen werden?
Hier ist besonders der richtige Zeitpunkt der Probennahme zu beachten. Schadstoffe mit kurzer Eliminations-Halbwertzeit wie flüchtige organische Lösungsmittel können nur einige Stunden nach Exposition in biologischem Material gefunden werden. Noxen mit längerer Halbwertzeit wie anorganisches Quecksilber, Organochlor-Pestizide, polychlorierte Biphenyle und Dioxine sind auch noch Tage bis Jahre nach der vermehrten Aufnahme nachweisbar.