Medizinisches Labor Bremen
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Präanalytik


Allgemeines

Da präanalytische Probleme unter Umständen schwerwiegende Konsequenzen für die Analytik und die Befundinterpretation haben, ist uns an einer Optimierung der präanalytischen Phase gelegen. Daher bitten wir sehr um Beachtung der unten gegebenen Hinweise; in Zweifelsfällen fragen Sie bitte telefonisch nach. Wenn Angaben zur Präanalytik für die Befundinterpretation erforderlich aber nicht primär verfügbar sind, werden diese telefonisch von Seiten des Labors erfragt. Über Aktualisierungen werden die Einsender und ihre Mitarbeiter regelmäßig durch die Mitarbeiter der Praxisbetreuung informiert. Mit den einsendenden Ärzten wird regelmäßig über die Akzeptanzkriterien des Labors kommuniziert.

Beschriftung der Proben und Begleitschreiben

Bitte das Röhrchen mit dem Untersuchungsmaterial, nicht die Schutzhülle, mit Vor- und Zunamen des Patienten beschriften. Eine sorgfältige Beschriftung ist zur Sicherung der Identität einer Probe unbedingt erforderlich.
Bei Funktionstesten, Tagesprofilen, Medikamentenspiegelbestimmungen vor und nach Gabe u. a. ist eine entsprechend eindeutige Kennzeichnung der Röhrchen notwendig. Den Untersuchungsauftrag bitte eindeutig auf einem Überweisungs- oder Begleitschein vermerken; dabei mindestens Namen, Vornamen, Geburtsdatum und das Geschlecht sowie - zur notwendigen Beurteilung des Einflusses der präanalytischen Phase auf das Ergebnis - Entnahmedatum und -zeitpunkt mitteilen. Gerade bei komplexeren Befunden sind darüber hinaus klinische Angaben bzw. die Mitteilung der Fragestellung hilfreich, um eine individuelle ärztliche Befundkommentierung zu ermöglichen; eine Vermengung von Analysenauftrag und Fragestellung sollte aber nach Möglichkeit vermieden werden.

Probennahme

Bei Entnahme von mehreren Blutproben sollte die folgende Reihenfolge eingehalten werden:

  • Blutkultur
  • Nativblut (Vollblut / Serum)
  • Citratblut
  • EDTA- bzw. Heparin-Blut
  • Fluoridblut

Bitte beachten Sie im Rahmen der hämostaseologischen Diagnostik auch die DIN 58905-1 hinsichtlich der Blutentnahme.

Probenmaterial

Die angegebenen Mengen sind für Einzelanalysen berechnet. Bei Anforderung mehrerer Untersuchungen aus demselben Probenmaterial genügen im Allgemeinen 5 ml Serum oder Plasma bzw. 10 ml EDTA- oder Heparinblut.

Serum:
Die Mehrzahl der Untersuchungen wird im Serum durchgeführt. Falls nicht ausdrücklich im Verzeichnis anders vermerkt, sollte möglichst kein Vollblut versandt werden. Bei einigen Bestimmungen (z. B. Aminosäuren, Kalium, Phosphat, LDH, Phosphohexose-Isomerase, Eisen, Aldolase, saure Phosphatase) können infolge Hämolyse oder gesteigerter Diffusion aus den Erythrozyten bei Versand von Vollblut zu hohe Werte im Serum gemessen werden. Für manche Serumanalysen (z.B. Aluminium) müssen Röhrchen ohne Trennmittel benutzt werden (Kontamination der Probe mit dem Analyten). Bitte beachten Sie die besonderen Hinweise in der Analysendatenbank.

Vollblut:
Für einige Untersuchungen wird Vollblut benötigt (z. B. Blutgruppenbestimmungen).

Citrat-Blut:
1 Teil Natriumcitrat 3,8 % + 9 Teile Blut (z. B. 0,2 ml Natriumcitrat 3,8 % + 1,8 ml Blut). Für Gerinnungsanalysen ist wichtig, dass das optimale Mischungsverhältnis Blut/Citrat eingehalten wird.

EDTA-Blut:
Bitte EDTA-beschichtete Röhrchen anfordern. Bitte auf gute Durchmischung (nicht schütteln!) achten.

Heparin-Blut:
10 ml Blut mit 0,3 ml Heparinat (z.B. Liquemin 2500) mit 2500 IE/ml aufziehen. Wenn ein Heparinpräparat mit höherer Konzentration verwendet wird (z. B. Liquemin 25000), genügt es, die Innenwand der Spritze mit Heparin zu benetzen. Ca. 0,2 ml Liquemin 25000 aufziehen und wieder ausspritzen. Heparin-beschichtete Röhrchen können gleichfalls angefordert werden.

Na-Fluorid-Blut:
Bitte Spezialröhrchen anfordern. Natriumfluorid dient als Glykolysehemmer und erlaubt daher die korrekte Quantifizierung von leicht metabolisierbaren Kohlenhydraten (Glucose, Fruktose u.a.). Alternativ ist die Glucosebestimmung auch aus entsprechend vorbereiteten Hämolysaten möglich; bitte wenden Sie sich an unsere Versandabteilung.

Sammelurin:
Viele Untersuchungen werden aus 24-Stunden-Sammelurin durchgeführt. Der Urin wird in einem sauberen Gefäß gesammelt (ggfs. nach vorheriger Zugabe von etwa 5 ml Eisessig oder etwa 10 ml 10% Salzsäure; s. Angaben bei den entsprechenden Analyten). Eine Sammelperiode beginnt am ersten Tag nach dem ersten Morgenurin und endet am zweiten Tag mit dem ersten Morgenurin. Die Gesamturinmenge durchmischen, das gesammelte Volumen auf dem Anforderungsbogen vermerken und die benötigte Teilmenge in das Probenröhrchen abfüllen. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Analysen (z. B. Disk-Elektrophorese) in keinem Fall aus angesäuertem Urin durchgeführt werden können.

Zu den folgenden mikrobiologisch zu untersuchenden Materialien finden Sie ausführliche präanalytische Hinweise in unserer Analysendatenbank:
Blutkultur, Liquor, Augensekret, HNO-Sekret, Sputum, Trachealsekret, Bronchialsekret, Punktate, Wundsekret, Eiter, Genitalsekrete, Urine und Stuhl

Bitte fordern Sie die benötigen Entnahmematerialien bei uns an. Wir beraten Sie gern.

Probentransport

Der rasche und sachgerechte Transport des Materials in das Labor ist ein wichtiger Teil der präanalytischen Phase. In Bremen und im unmittelbaren Bremer Umland erfolgt dieser mittels Fahr- und Kurierdienste, die mit den notwendigen Transportbehältnissen (einschließlich Kühlboxen) ausgestattet sind.

Proben, die nicht über Fahr- und Kurierdienste in das Labor gelangen können, werden über den Postweg verschickt. Hierfür gelten die jeweils aktuellen Bestimmungen der Deutschen Post  "Regelungen für die Beförderung von gefährlichen Stoffen und Gegenständen".

Die zu befördernden Proben lassen sich grob in die Kategorien infektiös und nicht infektiös unterteilen. In Abhängigkeit von der Zuordnung erfolgt eine entsprechende Klassifizierung und darauf basierend eine sachgerechte Verpackung gemäß den aktuellen Richtlinien des ADR (Verpackungsvorschrift P650) in geeigneteten und entsprechend gekennzeichneteten Behältnissen.

 

Beispiele für Proben

Geringe individuelle Gefahr und geringe Gefahr für die Allgemeinheit:
Anforderungen auf Klinische Chemie, Hormone, Tumormarker, Hämatologie, Metalle, Stoffwechselprodukte usw.

Mäßige individuelle Gefahr und geringe Gefahr für die Allgemeinheit:
alle mikrobiologischen Proben, alle Stühle, infektionsserologische (z.B. Hepatitis A, Borreliose)

Hohe individuelle Gefahr und geringe Gefahr für die Allgemeinheit, Transport nur per Kurier:
Hepatitis B und C (Hepatitis A gehört zu Gruppe 2), HIV, TBC, SARS, MRSA usw.

Grundsätzlich gilt, dass die verwendete Verpackung flüssigkeitsdicht sein muss und absorbierendes Material zwischen Primär- und Sekundärverpackung einzufügen ist. Bei Proben ohne Krankheitserreger kommen als Außenverpackung für den postalischen Versand eine entsprechend gekennzeichnete, reißfeste Versandtaschen infrage. Bei Proben mit Krankheitserregern bedarf es zusätzlich einer bauartgeprüften, kistenförmigen Außenverpackung mit Kenneichnung UN3373.

Erregerkulturen oder isolierte Erreger sind keine diagnostischen Proben; sie unterliegen nicht der UN3373, sondern der UN2814.

Bei Fragen und Problemen bitten wir um telefonische Rücksprache mit unserem Fahrdienst.

Befundübermittlung und Postanalytik

Die Übermittlung der Befunde erfolgt in Absprache mit dem Einsender elektronisch (Mailbox mittels LDT), per FAX oder als Befunddruck; Kombinationen sind möglich. Ebenso wird mit den Einsendern vereinbart, ob Teil- und Endbefunde oder nur Endbefunde herausgegeben werden; ein Endbefund enthält immer den kompletten Datensatz. Sollte aufgrund der internen Kontrolle oder aufgrund einer Reklamation des Einsenders eine Korrektur erforderlich werden, wird der Befund mit dem Zusatz "Berichtigung" und einem Bezugshinweis versehen. Im Falle von Ergänzungen (etwa spezifische Kommentare aufgrund nachgelieferter klinischer Angaben) wird der Zusatz "Nachmeldung" eingefügt.

Mit dem Befund wird der Einsender über gleichzeitig erstellte Kopien (etwa an weiterbehandelnde Ärzte) sowie Meldungen (etwa an Gesundheitsämter nach IFSG) informiert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass die Übermittlung eines Befunds an eine anonyme bzw. unbekannte FAX-Nummer nicht möglich ist, solange nicht deren Identität verifiziert und die Übermittlungserlaubnis eines Arztes eingeholt ist.

Probenarchivierung und Nachforderungen


Nach Abschluss der Analysen werden die Proben in Abhängigkeit von ihrer Stabilität archiviert und danach entsorgt. In dieser Zeit können Sie weitere Untersuchungen sowie Kontrolluntersuchungen nachgefordert werden, soweit die Stabilität des Analyten gewährleistet ist.

 

Serum                                                           mindestens 14 Tage

EDTA-Blut, Venenblut                                mindestens 7 Tage

Stuhl                                                              mindestens 7 Tage

Urin                                                                mindestens 7 Tage

sonstige Untersuchungsmaterialen       mindestens 7 Tage

 

Nachforderungen aus mikrobiologischen Materialien sind nur am Tag der Einsendung möglich, die Materialien werden weitere 7 Tage zur Klärung von präanalytischen Fragestellungen aufbewahrt.