Medizinisches Labor Bremen
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Schwerpunkt Lyme-Borreliose

Zeitgemäße Diagnostik und sinnvolle Therapie


Allgemeines

Die Lyme-Borreliose ist eine durch schraubenförmige Bakterien (Borrelia burgdorferi) hervorgerufene, häufige Infektionskrankheit. Sie wird durch Zeckenstiche, zumeist durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), hervorgerufen. Obwohl die Mehrzahl der Zeckenstiche folgenlos verläuft und keine Krankheit hervorruft, kommt es doch durch die hohe Gesamtzahl an Kontakten zu zahlreichen akuten, fortschreitenden und chronischen Borrelien-Infektionen. Sie können die Haut, aber auch im Rahmen einer Generalisierung die inneren Organsysteme des Menschen befallen.

Einen guten Überblick liefert der Folienvortrag "Lyme-Borreliose: Erreger - Klinik - Diagnostik - Therapie".

Ausführliche Erläuterungen zu Erreger, Krankheit, Diagnostik und Therapie finden Sie in unserer Laborinformation Lyme-Borreliose.

Lyme_Borreliose_06122011w.pdf

3.1 M

Antikörpernachweis

Elisa
Immunoblot

Bei akuten Borrelien-Infektionen sind häufig noch keine Antikörper im Blut nachweisbar. Bei begründetem klinischen Verdacht muß deshalb eine antibiotische Behandlung unabhängig von einem Laborergebnis erfolgen. Gleichzeitig mit dem Therapiebeginn sollte aber immer eine Blutprobe für die Borrelienserologie abgenommen werden, um im späteren Verlauf auf einen „Leerwert“ zurückgreifen zu können. Bei chronischen Infektionen sind dagegen fast immer Antikörper nachweisbar. Sie bleiben aber auch bei ausgeheilten Infektionen oft sehr lange nachweisbar, obwohl keine Krankheitsaktivität mehr vorliegt.

Die Antikörperbestimmung (Borrelienserologie) wird in unserem Labor in einem Stufenschema durchgeführt:

Als Suchtests werden Enzymimmunoassays (EIAs) eingesetzt, die IgG- und IgM-Antikörper gegen B. burgdorferi quantitativ nachweisen. Sie sind wegen der Vielzahl möglicher Borreliensubspecies und zur Erreichung höchstmöglicher Empfindlichkeit und Spezifität mit einer wohlausgewogenen Komposition rekombinanter Antigene ausgestattet. Alle wichtigen Antigene wie z. B. das Outer surface Protein (OspC) oder das erst jüngst charakterisierte VlsE (variable major-protein-like sequence, expressed) sind hier vertreten. Die EIAs ergeben ein Meßsignal, das in U/ml angegeben wird.

Bei  grenzwertigem oder positivem Ergebnis folgt zur Bestätigung und weiteren Differenzierung der Imunoblot (Westernblot), der die IgG- und IgM-Reaktion gegen die einzeln aufgeführten, in Banden erkennbaren rekombinanten Antigene erkennen läßt. Hieraus lassen sich vom erfahrenen Untersucher schon viele wichtige Informationen ableiten, die in einem individuellen Befundkommentar, ggf. mit Therapiemepfehlung,  festgehalten werden.

Als besonders vorteilhaft für eine schnelle, sensitive und verläßliche Bestimmung der Borrelien-Antikörper hat sich der Einsatz von rekombinanten, also gentechnologisch hergestellten Tests herausgestellt. Sie erlauben eine viel genauer definierte und spezifischere Aussage als die herkömmlichen Vollantigen-Lysate aus angezüchteten Bakterien. In unserem Labor werden deshalb ausschließlich diese rekombinanten Tests eingesetzt, und zwar unter Nutzung eines Multiplexverfahrens mit der Luminex-Technologie, die eine noch weitergehende, signifikante Verbesserung gegenüber den klassischen Verfahren mit sich bringt.

Weitere Informationen können sie hier finden.

Borreliose-Wissen_Nr_17-2-2008.pdf

Borreliose Wissen aktuell Nr. 17 Februar 2008, Borreliose FSME Bund Deutschland

2.2 M

Lymphozytentransformationstest (LTT)

Nicht immer gelingt mit der aus EIA und Westernblot bestehenden Borrelienserologie eine eindeutige Einschätzung der Infektionssituation. Im Akutfall fehlen Antikörper noch oft ganz oder sie sind noch nicht vollständig ausgebildet. Umgekehrt hinterlassen zurückliegende Infektionen oft eine sehr lange anhaltende serologische Immunreaktion (aber keine Immunität!). Eine Einschätzung einer Infektionsaktivität ist dann oft schwierig. Zwar sollten sich therapeutische Maßnahmen natürlich vorrangig am klinischen Befund orientieren, jedoch ist eine zusätzliche Information duch ergänzende Laboruntersuchungen oftmals willkommen. Hierfür haben wir in unserem Labor einen Bluttest entwickelt, der nicht Antikörper, sondern die Reaktionen des zellulären Immunsystems gegen Borrelienantigene nachweist, also vorwiegend eine Lymphozytenaktivierung. Dieser Test wird als Lymphozytentransformationstest (LTT) bezeichnet.

Da lebendige Blutzellen nachgewiesen werden, sind spezielle Blutentnahmeröhrchen nötig, sog. CPDA. Mit diesen Röhrchen, die Sie auf Anfrage bei uns erhalten, ist sogar ein Postversand ins Labor möglich.

Der LTT wird bei Frischinfektionen häufig schon früher positiv als die Serologie, flaut aber nach Ausheilung auch viel schneller wieder ab. Dadurch eignet er sich – bei gut kontrollierter Durchführung – sehr gut als Aktivitätsmarker bei unklarer Borrelienserologie.

In unserem Labor setzen wir für den LTT verschiedene, rekombinante, hochreine  Schlüsselantigene in mehreren Konzentrationen ein. Hierdurch erhalten wir die bestmögliche Aussage, ohne von den Unspezifitäten unsauberer Rohantigene beeinträchtigt zu werden. Diese führen bei unsachgemäßem Gebrauch bekanntlich zu einer Vielzahl falsch positiver Befunde. Wir überprüfen auch, ob die Blutzellen im Test lebenstüchtig sind, immunologisch stimuliert werden können, und ob eine schon vorher vorhandene, nicht Borrelien-bedingte Immunstimulation vorliegt.

Wichtig für eine korrekte Beurteilung ist in jedem Fall eine Zusammenführung klinischer, serologischer und anamnestischer Informationen, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte gerne direkt an uns, wenn Sie Beratung wünschen.

Einen strukturierten Überblick über den LTT-Test mit dokumentierten Untersuchungsergebnissen verschiedener Krankheitszustände aus unserer täglichen LTT-Diagnostik sowie Informationen zum CD57-Nachweis finde SIe hier:

LTT_und_CD57-Nachweis_zur_Diagnostik_der_Lyme-Borreliose_061211w.pdf

3.0 M

Genetisches Risiko

Neben dem Erreger Borrelia burdorferi und der spezifischen und unspezifischen Infektabwehr des Patienten spielen auch genetische Faktoren eine Rolle: Patienten mit ganz bestimmten HLA-Genen tragen ein fast 10-fach erhöhtes Risiko einer therapieresistenten, chronischen Borrelieninfektion. Mit modernen, molekularbiologischen Techniken lassen sich solche Patienten sicher erkennen, so dass eine besonders sorgsame und wirksame Behandlung bei einer Borrelieninfektion gewährleistet werden kann.

Nähere Einzelheiten finden Sie hier:

BorrelioseWissen_Nr17_Bedeutung_HLA-Merkmale_Auszug.pdf

1.1 M

Neuro-Borreliose

Eine häufige Komplikation fortschreitender und chronischer Borrelieninfektion ist der Befall des Nervensystems. Hierbei können sowohl peripheres wie auch zentrales Nervensystem (ZNS) betroffen sein. Diese Komplikationen werden als Neuro-Borreliose bezeichnet. Sinnvolle Laboruntersuchungen benötigen immer die parallele Entnahme einer Blut- und einer Liquorprobe. Erst der Vergleich zwischen den Ergebnissen beider Materialien erlaubt eine qualifizierte Aussage.

Details werden im separaten Schwerpunktthema Neuroborreliose dargestellt.

 

Zeckenuntersuchung

Vollgesogene Zecke

Nicht jede Zecke ist mit Borrelien infiziert, und nicht jeder Stich führt zu einer Erregerübertragung. Bereits im Vorfeld nach Zeckenstich kann man sich aber Klarheit verschaffen, ob überhaupt ein Borreliose-Risiko besteht. Hierzu dient der direkte Nachweis der Borrelien in der Zecke, die man nach der Entfernung aus der Haut in einem Gefäß einschließen und zum Labor transportieren kann. Mit Hilfe der PCR, einem molekularbiologischen, hochsensitiven Labortest, werden alle relevanten Borrelienspecies sicher erkannt. Ein negatives Ergebnis schließt damit ein Borreliose-Risiko mit hoher Sicherheit aus. Im positiven Fall müssen die näheren Umstände individuell abgewogen werden, um das weitere Vorgehen zu entscheiden: Abwarten und beobachten oder vorbeugende antibiotische Behandlung. Wir beraten Sie gerne persönlich, wenn Sie Informationen wünschen.

Die Details werden ausführlich auf unserer Seite Der Zeckenschnelltest – Sicherheit für Ihre Gesundheit dargestellt.

Diese Untersuchung wird jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen, sondern ist als IGEL-Leistung privat zu bezahlen. Die Kosten betragen (inkl. MWSt.) für

- Borreliose   35,00 Euro
- FSME            40,00 Euro
- Beide Tests zum Kombipreis von 70,00 Euro.

 

 


Behandlung

Die antibiotische Behandlung ist das Hauptstandbein der kausalen Therapie. Je nach Stadium der Infektion gelten unterschiedliche Empfehlungen.

Orale Antibiotikatherapie im Stadium I

Antibiotische Bahandlung der Neuroborreliose

Antibiotische Behandlung der Borrelien-Arthritis

Maximalregimes für „verzweifelte Fälle“

Kausale Therapie (Eradikation)
- Hochdosis Ceftriaxon (4g/Tag für 14 Tage)
- Cefotaxim 3 x 4g i.v. an einem Tag, 6 Tage Pause, Wiederholung für 10 Wochen (D. Hassler, Lancet 1991)
- Zusätzliche Gabe eines ß-Laktamase-Hemmers (Sulbactam) zur Cephalo-sporin Therapie 
  (R. Gasser, Microb Drug Resist 1995)

Symptomatische Therapie
- Glukokortikoide intraartikulär
- Radiosynovioorthese
- Synovialektomie
- DMARDs (Sufasalazin, Methotrexat)

Für Kinder, Schwangere und bei Allergien gelten besondere Regeln.

Ergänzend sind aber auch symptomatische Maßnahmen von großer Wichtigkeit, etwa um Entzündungen und Fieber zu unterdrücken bzw. die manchmal pathologische Aktivierung  des Immunsystem einzudämmen.

Die vorbeugende Behandlung in Form der *Chemoprophylaxe nach Zeckenstich ist umstritten und wird kontrovers diskutiert. Sie erfordert eine Abwägung der Umstände im Einzelfall und wird in der Regel nicht empfohlen!
(Guidelines from the Infectious Diseases Society of America
Wormser et. al, Clin. Infect. Dis. 2000)

Eine Einzeldosis Doxycyclin 200mg innerhalb von 72h nach Zeckenstich ist effektiv in der Verhinderung eines EM (1/235 Pat. vs. 8/247 Pat.), aber *Cave: Nachbeobachtung 6 Wochen!
(Prophylaxis with single-dose Doxycycline for the prevention of LD after an ixodes scapularis tick bite, Nadelmann et al., N. Engl. J. Med. 2001)

*

Hilfreich zur Entscheidung ist auch der Borrelien-Nachweis in der Zecke. Bei Unsicherheit beraten wir Sie gerne.

 

Weiterführende Informationen: