Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR)
Die Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) ist eine 1985 entwickelte Methode zur in vitro-Vervielfältigung definierter DNA- oder RNA-Genregionen mit Hilfe des Enzyms Polymerase. Sie erleichtert u. a. den direkten Nachweis kleinster Mengen von viralen oder bakteriellen Erregern in Patientenmaterial (Serum, Abstrichen, Stuhl usw).
Auf Grund der hohen Empfindlichkeit dieser Methode müssen Patientenproben sorgfältig gewonnen werden (am besten in einem geschlossenen System), um falsch positive Ergebnisse zu vermeiden.
In unserem Labor wird die PCR-Methode unter anderem für folgende Untersuchungen angewandt:
1. Nachweis von HIV RNA (Viruslast) im Plasma und HIV Resistenzbestimmung
Vorteil: Die PCR ist die einzige Nachweismöglichkeit einer Virämie.
Mit der Resistenzbestimmung können mögliche Therapieoptionen bestimmt werden.
Indikation:
a) unklare serologische Befunde
b) Neuinfektion im diagnostischen Fenster
c) Therapiekontrolle und/oder Suche nach Therapiealternativen
Aussage:
a) aktive virale Replikation bzw. Virämie (Infektiosität)
b) Erfolg einer antiviralen Therapie
c) weitere Therapieoptionen
2. Nachweis von Hepatitis-B-Virus (HBV) - DNA im Serum
Vorteil:
a) Die PCR ist 100 - 1000-fach empfindlicher als die Dot-Blot-Hybridisierung.
b) Die PCR ist als Marker einer Virämie zuverlässiger als die Serologie.
Indikation:
a) bei allen HBsAg-Trägern
b) bei Patienten mit einem unklaren serologischen Profil (z.B. nur HBcAK positiv)
c) für die Indikationsstellung und Kontrolle einer antiviralen Therapie
Aussage:
a) aktive virale Replikation bzw. Virämie (Infektiosität)
b) Übergang in eine chronischen Phase
c) Erfolg einer antiviralen Therapie
3. Nachweis von Hepatitis-C-Virus - RNA (Viruslast) im Serum
Vorteil: Die PCR ist die einzige Nachweismöglichkeit einer Virämie. Die Genotypisierung hat direkte therapeutische Konsequenzen.
Indikation:
a) bei allen HCV-AK-positiven Patienten (>50 % weisen eine Virämie auf)
b) bei HCV-AK-negativen Patienten mit Verdacht auf eine akute HCV-Infektion (HCV-AK werden erst nach 2-6 Monaten gebildet)
c) für die Indikationsstellung und Kontrolle einer antiviralen Therapie
Aussage:
a) aktive virale Replikation bzw. Virämie (Infektiosität)
b) Erfolg einer antiviralen Therapie
4. Nachweis von Mycobacterium tuberculosis im Sputum, Bronchiallavage, Magensaft, Liquor usw.
Vorteil: Die PCR ist schneller als die Kultur (ca. 2 Tage versus 2-6 Wochen)
Indikation:
a) Respiratorische Sekrete bei klinischem, radiologischem und / oder histologischem. Verdacht auf eine Lungentuberkulose, bei denen mikroskopisch keine säurefesten Stäbchenbakterien nachweisbar sind
b) Atemwegssekrete bei AIDS-Patienten, die mikroskopisch positive Befunde zeigen
c) Liquor cerebrospinalis bei Verdacht auf Meningitis tuberculosa
Aussage: Nachweis von bakterieller DNA des Tuberculosis-Komplexes (M. tuberculosis, M bovis, M. africanum und / oder M. microti)
5. Nachweis von Chlamydia trachomatis in Urogenital-/Konjunktivalabstrichen, Urin und Sperma
Vorteil:
a) Die PCR ist empfindlicher als die Kultur, der IFT und der immunologische Antigen-Test.
b) Die PCR ist dadurch auch aus Urinproben durchführbar.
Indikation:
a) bei klinischem Verdacht auf eine Chlamydia trachomatis-Infektion
b) als Screening für asymptomatische Risiko-Personen
c) für die Kontrolle einer Antibiotika-Therapie (2-3 Wochen nach erfolgreicher Therapie wird die PCR negativ)
Aussage:
a) Infektion mit Chlamydia trachomatis
b) Erfolg einer Antibiotika-Therapie
6. Nachweis von Herpes simplex-Virus - DNA in Liquor und Abstrichen aus Bläscheninhalt
Vorteil:
a) Die PCR ist eine schnelle Nachweismöglichkeit einer akuten Herpes simplex- Enzephalitis.
b) Die PCR ist sensitiver und spezifischer als die Viruskultur und der Antigennachweis.
Indikation:
a) bei klinischem Verdacht auf eine Herpes simplex- Enzephalitis und zur Abklärung von Hauteffloreszenzen. Gleichzeitig kann auch VZV-DNA mitbestimmt werden.